Samstag, 2. November 2013

Nur gerade eine Flugstunde von Bangkok entfernt, nahe der kambodschanischen Stadt  Siem Reap liegt das UNESCO-Weltkulturerbe  ANGKOR.
Angkor bedeutet Stadt.
Wenn man sich öfters  für längere Zeit in Thailand aufhält, sollte man diese einzigartigen, weit  über 1000 jährige  Stadt-Anlagen mit  einer Vielzahl von Tempeln, der Grösste davon Angkor Wat, einmal  besichtigen. 
In voller Harmonie stehen buddhistische Tempelbauten neben hinduistischen - ein ständiger Wechsel, ohne sich gegenseitig das Göttliche streitig zu machen.

Was während den unseligen Zeiten der brutalen Schreckensherrschaft  der „Roten Khmers“ unter Pol Pot nicht möglich war, ist heute  schon beinahe ein MUSS.

Viele Touristik-Büros bieten  ein-  bis mehrtägige Touren an – inkl. Visa-Beschaffung, Flüge, Unterkunft und Guides.

Meinen Besuch dieser ausserordentlichen Stätte buchte ich schon in Zürich - LOTUSREISEN - als Privattour für eine Person. Ein richtiger Entscheid, wie es sich während der Tour zeigte.

Um keinen Reisestress aufkommen zu lassen, übernachtete ich erst einmal im Airporthotel Novotel, Bangkok.


Nach einem einstündigen Flug ist Siem Reap erreicht. 

Dank meinem bereits in Zürich eingeholten Visum liefen die Immigrationsformalitäten problemlos ab.

Fahrer und  der deutsch sprechende Guide Savutha erwarteten mich bereits. Gleich wurde ich angehalten wenigstens zwei Worte in Kambodschanisch zu lernen  -  orkun  für danke  und   sursday  für  guten Tag.
Die kurze Fahrt Flughafen -Hotel dauerte etwa  10 Minuten. Schon um 14.00 Uhr begann die eigentliche Tour. 

Frei wie ich entscheiden wollte machten wir erst den Boots-Ausflug auf dem grossen  TONLE-SAP-SEE.  Gerade Ende Oktober ist dieser sehr fischreich - Grund: Die Strömung des Ausflusses Tonle Sap kommt nicht mehr gegen die Wassermassen aus Monsunregen und Schmelzwasser im Mekong an. Der Ausfluss wird zum Zufluss.

Die Fischer brauchen nur noch ihre Netze oder Reusen von ihren Hausbooten  in den See zu legen - innert einer Stunde ist ein reicher Fang gewiss. Zu Trocken- oder Räucherfisch, zu Fischpaste oder pfannenfertg wird dieser direkt an Ort und Stelle verarbeitet.



Entsprechend den vielen Touristen blüht natürlich auch die Bettelei.



Unzählige Gar- und  Bratküchen säumen die Zufahrtswege zum See.und bieten  allerlei Gebratenes an. Für uns Europäer jedoch sehr gewöhnungsbedürftig, liegen in den Schaukästen doch Mäusefleisch, Schlangen und Frösche.  Eine Delikatesse wie mein Guide Savutha meinte.






UNESCO Weltkulturerbe ANGKOR

Die verschiedenen Anlagen sind recht weitläufig, z.T. auch weit voneinander entfernt. Die Vielzahl der Tempel  ist gross.  Es braucht Zeit.  

Das Rad der Zeit einmal um 1200 Jahre zurück drehen, eintauchen in eine der höchsten  fernöstlicher Kultur-Epochen. 
Der Beginn des Khmer-Reiches  wird in der Forschung um das Jahr  802 angegeben. Zu der Zeit liess sich Jayavarman II  zum König aller Könige erheben. Er soll von 802 – bis 850 regiert haben.

Zu den ersten Tempelbauten in der Region Angkor zählen die Bauten Preah Ko  – Einweihung am 25. Januar im Jahre  880 - Tempel des Heiligen Bullen dem Reittier des Hindugottes Shiva 



und der fünfstufige Tempelberg Bakong  881/882 ebenfalls dem Hindugott Shiva gewidmet.


Der dritte Tempel Lolei  ist mit nur vier Türmen der Kleinste

Besonders auffallend an diesen Tempeln ist die ausserordentlich schöne und gute erhaltene Steinmetz-Kunst.






Auch entdeckte man hier in einem Türsturz die einzige so gut erhaltene Schrifttafel aus dieser Epoche.

Aus diesem Ort entwickelte sich in der Zeit von  881 – 910 n. Chr. die erste Hauptstadt des Khmer-Reiches – Yasodharapura.


Heute sind diese Tempelruinen bekannt als Roluos-Gruppe - benannt nach nach dem gleichnamigen Ort, 15 km von Siem Reap an der Hauptstrasse nach Phnom Penh.


An dieser Stelle möchte ich doch etwas erwähnen: Zur Erhaltung und zu weiteren Restaurationen braucht es Geld, viel Geld. Superreiche, wie hier die Fam. Schmidheiny, unterstützen  solche Vorhaben. Ohne solche Mäzene wäre Kultur erschaffen oder erhalten nicht möglich.













Von ganz anderer Art ist Dr. Beat Richner's Engagement mit dem Kinderspital KANTHA BOPHA   http://www.beat-richner.ch/
hier in Siem Reap und Phnom Penh.
Täglich werden hier hunderte Kinder,die Aermsten der Armen, kostenlosbehandelt. Ohne staatliche Hilfe nur von Spenden getragen, arbeiten hier Dutzende von Helfern.


Da ist jede noch so kleine Unterstützung willkommen.



Angkor Wat    

Im 12. Jh. - zwischen 1123 bis 1150 - baute König Suryavarman II etwa 15 km nördlich der Roluos-Gruppe eine neue Residenz - Angkor Wat. mit über 200 Tempeln eine gewaltige, einzigartige Anlage zu Ehren der indischen Hindu-Gottheit Vishnu.
Auch hier ist eine Fülle schönster und bestens erhaltener Steinmetzkunst zu bewundern.





Anders wie die meisten Tempelanlagen fiel Angkor Wat zwar etwas in Vergessenheit, wurde aber nie vollständig verlassen.
Der grosse, breite Wassergraben schützte zudem das Vordringen des Urwaldes, wie heute der recht gute Zustand der Anlage zeigt.
Des öftern spiegelt sich der Tempel auch auf der ruhigen Wasseroberfläche.
Der Franzose Henri Mouhet ist zwar nicht der "Entdecker" von Angkor Wat. Er hat aber in der zweiten Hälfte des 19.Jh. mit seinen Beschrieben massgeblich dazu beigetragen, dass diese Gegend systematisch erforscht und mit Restaurierungen begonnen wurde.
 



Heute besuchen Touristen aus aller Welt diese einmalige Kulturstätte - täglich zwischen 3000 und 4000 Menschen.
Wie gut doch, kannte mein Guide die "Schleichwege" etwas vom Massenstrom weg. So gelangen doch einige Fotoaufnahmen "ohne Begleitung".




Die Ansicht von Angkor Wat ist auch auf der neuen kambodschanischen Flagge.    
Angkor Thom


Im späteren 12. Jh. bis frühes 13. Jh. entstand unter dem  Khmer-Herrscher Jayavarman die neue Königshauptstadt  Angkor Thom. (Bedeutung „Grosse Stadt)
Ist die ältere Stadt Angkor Wat indischen Gottheiten gewidmet, steht Angkor Thom für den Buddhismus.
Markant sind die fünf Eingangstore zur Stadt.
Neben der zentralen Tempel-Anlage Bayon  wurden auf 9 qkm bis ins 13. Jh. laufend weitere  neue Tempel und vor allem Bewässerungs-Anlagen errichtet.
Angkor Thom war die letzte Hauptstadt des „Angkor Imperiums“. Es war auch mit etwa 1‘000‘000 Einwohnern weltweit eine der grössten Städte der damaligen Zeit.


Während langer Zeit stand „Angkor“ in einer kulturellen Hochblühte
Doch Machtkämpfe, Religionskriege,  mongolische/chinesische und thailändische Eroberungszüge setzten der Angkor-Region stark zu. Die Kultstätte verlor die politische und wirtschaftliche Bedeutung – Phnom Penh wurde zur neuen Metropole.
Nur für kurze Zeit in der Mitte des 16. Jh. – nach dem zeitweiligen Zurückdrängen des thailändischen Königreiches  –   wurde der kambodschanische Königshof noch einmal nach Angkor verlegt.

Auch wenn der Urwald die Kultstätte langsam überwucherte - Angkor war nie verschwunden.
Die Khmer wussten auch nach dem Niedergang des historischen Reiches um die Existenz der
alten Tempel.  Angkor Wat wurde, wie auch einige andere Bauten, durchgehend als Tempel oder Klöster benutzt.
Missionare und Händler aus Europa - Portugal, Spanien, Frankreich - berichteten schon im
17. Jh. über eine grosse ummauerte Stadt in dieser Gegend.
Es ist aber dem französischen Forscher Henri Mouhot zu verdanken, der mit einer Reihe
detaillierter Zeichnungen in seinem Reisebuch von 1868 die Stätte beschrieb, dass Angkor
aus dem "Dornröschenschlaf" erwachte.

Er ist zwar nicht der "Entdecker" von Angkor Wat, hat aber dazu beigetragen, dass diese
Gegend systematisch erforscht und mit Restaurierungen begonnen wurde.

Bayon
Von den ursprünglich 52 Türmen stehen heute noch deren 37. 

Markant an den Türmen - und auch an den Eingangstoren - sind die geheimnisvoll lächelden Gesichter. Sie stellen Lokeshvare dar. Im Mahayana Buddhismus ist das ein Bodhisattva, quasi ein Guter Engel, der Gläubige auf ihrem Weg ins Nirwana begleitet, aber damit selber auf diese letzte Stufe verzichtet.





Besonders eindrucksvoll sind auch die sehr gut erhaltenen Reliefs. In Sandstein gehauene Geschichten aus dem Alltag Angkors, über Eroberungs-Feldzüge oder Verteidigungen. Festgehalten für die Ewigkeit - schon seit fast 1000 Jahren.


An Eingangstüren stehen Wächterinnen, Apsara-Tänzerinnen verzieren Wände.



Terrace of the Elephants
Die ca. 2,5m hohe, 350 m lange königliche Wandelterrasse verziert mit einer Vielzahl Elefanten- und Garuda-Bildern. (Garuda, eine mythologische Figur - halb Vogel halb Mensch). Eine Tribüne für Jayavarman VII.




Taneiy
Etwas abseits, weg vom Besucherstrom, liegt der noch fast unberührte Tempel Taneiy.
Eine abenteuerliche Fahrt durch den Urwald führt zu dem verfallenen Kleinod.


Noch ist wenig oder nichts restauriert - das Wurzelwerk der Urwaldbäume hat den Tempel in seinen zerstörerischen Klauen.


So etwa muss der fanzösische „Entdecker“ Henri Mouhot Ankor Wat und Ankor Thom vorgefunden haben.

Am vor 1000 Jahren künstlich angelegten Seebecken und heute noch für die Bewässerung der Reisfelder und als Badesee funktionierenden Wasser-Reservoir Sras Srang gab es dann den Mittagshalt. Wohltuend nach der doch etwas anstrengenden Besichtigungen.


Ta Prohm
Der von Jayavarman VII   im Jahre 1186 als buddhistischer Flachtempel gebaut, diente sowohl als Kloster wie auch als Universität.  In dem von Wassergräben und quadratischen Galerien umgeben Bau lebten einst fast 12‘000 Menschen, darunter viele Mönche.
Heute ist die Kultstätte überwuchert von Kapokbäumen und Würgefeigen.


Mit Absicht wird hier der Natur nahezu freien Lauf gelassen. Nur wenn es gilt Schlimmstes zu verhindern wird eingegriffen. Die Baumwurzeln sprengen nicht nur Teile der grossen Steinquader, sie sind so verwachsen, dass sie auch vieles zusammen halten.


















Ta Prohm gehört heute zu den faszinierendsten Tempeln Angkors - der Betrachter fühlt sich fast  an einem verwunschenen Ort.


















Banteay Srei
Eine ca. 40 km lange Fahrt in den Norden, durch Reisfelder, vorbei an Strassenküchen wo aus Fächerpalmsaft Zucker eingekocht wird.




Wir sind da mitten in der ehemaligen Hochburg der einst marodierenden Banden der „Roten Khmers“. Deutsche Spezialeinheiten säuberten hier - und säubern immer noch - die Gebiete die durch  diese menschenverachtenden Steinzeit-Kommunisten minenverseuchten wurden.

Die gut ausgebaute Strasse führt zur Tempel-Festung Banteay Srei. (der Name bedeutet Festung der Schönheit)


Diese Tempel-Anlage wurde im 10. Jh. während der Regentschaft von König Rajendravarman II erbaut. Erbauer war der Brahmane Yajnavaraha, der spätere Guru von König Jayavaraman V.
Fast wie geschnitzt wirken die feinen in roten Sandstein gemeisselten Reliefs. Die Darstellungen stammen alle aus der hinduistischen Mythologie.





Prasat Kravan
Der 912. erbaute Tempel ist Lakshmi, der Gattin des Hindugottes Vishnu gewidmet.
Die Tempel-Anlage ist vollständig aus gebrannten Tonziegeln erstellt.

Die in dieser Epoche erbauten Heiligtümer sind in der Regel ohne besondere Ausschmückung, doch Prasat Kravan ist hier eine Ausnahme.
Im  mittleren der 5 Türme zieren direkt aus der Mauer gemeisselte Reliefs die Wände. Es sind Darstellungen des Gottes Vishnu oder dessen Gattin Lakshmi.
 


Mit dieser letzten Besichtigung schloss sich das Programm ANGKOR.

Mit dem letzten Flug geht es zurück nach Thailand. Eine eindrucksvolle Exkursion in eine längst vergangene Hochkultur ist zu Ende.


Weitere Reisen auf unserer Homepage   www.rboeschenstein.com 

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